24h-Betreuung ist ein wichtiger Eckpfeiler unseres Pflegesystems in Österreich. Die harte und unverzichtbare Betreuungsarbeit älterer Menschen wird in Österreich großteils von Migrantinnen aus Osteuropa geleistet. Doch die Rechte der Betreuer*innen werden nicht ausreichend geschützt! Obwohl die Arbeit der Betreuer*innen unverzichtbar ist, ist sie unterbewertet und prekär. Als Selbstständige gemeldete ist ihr Recht auf Krankengeld, Ruhezeiten, faire Bezahlung und angemessene Arbeitsbedingungen nicht gesichert. Viele sind abhängig von Agenturen und können nicht selbstständig über ihre Arbeitssituation bestimmen. 

Der österreichische Staat hat es verabsäumt, einen menschenrechtskonformen Rahmen für 24h-Betreuung zu schaffen!  Es braucht eine Systemkorrektur, die für Betreuer*innen, Betreute und Angehörige bessere Bedingungen und mehr Sicherheit schafft.

Unverzichtbar und trotzdem prekär

Die Situation Tausender 24h-Betreuer*innen in Österreich steht exemplarisch für die Konsequenzen prekärer Arbeit. Prekäre Arbeit, bei der Rechte wie Krankengeld und fairer Lohn nicht gesichert sind, nimmt in vielen Ländern zu – auch in Österreich. Ungleichheit und Diskriminierung greifen ineinander und führen dazu, dass einige Personengruppen unverhältnismäßig stark betroffen sind.

Die österreichischen Behörden müssen dringend Maßnahmen ergreifen, um die Situation von Betreuer*innen zu verbessern. Die bevorstehende Pflegereform ist der perfekte Zeitpunkt um für die Rechte der Betreuer*innen einzustehen.

Darum fordern wir von der österreichischen Bundesregierung und den zuständigen Ministerien:

  • Ein rechtlicher Rahmen muss sicherstellen, dass die Rechte aller Betreuer*innen, ob selbstständig oder unselbstständig, geschützt werden. Dazu zählen ein fairer Mindestlohn und Schutz vor überlangen Arbeitszeiten.
  • Die Stimmen der Betreuer*innen müssen gehört und einbezogen werden; insbesondere bei der Pflegereform.
  • Kontroll- und Beschwerdemöglichkeiten müssen ausgebaut und gestärkt werden, um die Rechte der Betreuer*innen und der zu betreuenden Menschen zu wahren. Betreuer*innen müssen effektiv vor Diskriminierung und Belästigung geschützt werden.
  • Zertifizierungen von Agenturen müssen ausgeweitet werden und die Rechte der Betreuer*innen berücksichtigen. Agenturen müssen außerdem ihre Sorgfaltspflichten gegenüber Betreuer*innen einhalten.
  • Mehrsprachige Unterstützungs- und Beratungsangebote für Betreuer*innen müssen flächendeckend ausgebaut werden.
  • Der Status von 24h-Betreuer*innen als Selbständige muss überprüft und angepasst werden, wenn ihre Arbeitssituation einem Angestelltenverhältnis gleicht.

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