Sie war auf der Suche nach der Wahrheit

Am 15. Juli 2009 brach die russische Journalistin Natalia Estemirowa wie jeden Morgen zu ihrer Arbeit im Zentrum von Grosny, der Hauptstadt Tschetscheniens, auf. Doch nach wenigen Metern wurde sie plötzlich attackiert: Bewaffnete Männer zerrten sie in ein Auto. Am nächsten Tag war sie tot – jemand hatte sie aus nächster Nähe erschossen.

Neun Jahre lang half die Journalistin Natalia Estemirowa Familien dabei, ihre im Tschetschenienkonflikt entführten und verschollenen Angehörigen aufzuspüren. Die Schuldigen, darunter viele tschetschenische und russische Polizisten und Soldaten, wurden angeklagt und für ihre Taten verurteilt. Doch dadurch geriet Natalia Estemirowa in Konflikt mit der tschetschenischen Regierung. Wer für ihren Tod tatsächlich verantwortlich ist, wurde bis heute nicht aufgeklärt.

Am Mittwoch, dem 28. Februar 2018 hätte Natalia Estemirowa ihren 60. Geburtstag. Sie kann diesen Tag nicht mit uns feiern. Doch wir können dafür sorgen, dass sie nicht vergessen wird.

Fordern wir die Untersuchungsbehörden auf, Natalia Estemirowas Tod endlich lückenlos und unabhängig aufzuklären. Die Verantwortlichen müssen gefunden und vor Gericht gestellt werden.

Dazu muss Natalia Estemirowas Anwält*innen und Familie Einsicht in die Akten gewährt und die Untersuchung auf mögliche Verbindungen zu öffentlichen Amtsträger*innen ausgeweitet werden.

Dieser Appell richtet sich an den Vorsitzenden der Untersuchungsbehörde Aleksandr Ivanovich Bastrykin und in Kopie an den russischen Botschafter in Wien.

Wir möchten darauf hinweisen, dass die Teilnahme an unseren Aktionen erst ab einem Mindestalter von 16 Jahren erlaubt ist.